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Welche Fähigkeiten brauchen wir in den nächsten Jahren?

Welche Fähigkeiten brauchen wir in den nächsten Jahren

„Die Expertengruppe des SECO erhöht ihre Prognose für das BIP-Wachstum 2018 von 2,4% auf 2,9%. Die gute internationale Wirtschaftslage kurbelt den Aussenhandel an, und die Unternehmen investieren. Für 2019 wird ein solides BIP-Wachstum von 2,0% erwartet. Die negativen Risiken überwiegen aber deutlich und bedrohen die internationale Konjunktur.“

Welche Risiken sind hier angesprochen?

Die Konjunktur könnte an Dynamik einbüssen, falls der Handelsstreit zwischen den USA und anderen wichtigen Wirtschaftsräumen weiter eskalieren sollte. Der Welthandel insgesamt und der Schweizer Aussenhandel wären davon betroffen. Damit verbunden könnten die Unternehmen in der Schweiz ihre Investitionen zurückfahren.
Die politische Unsicherheit in Europa ist hoch. Insbesondere führt der unklare Kurs der italienischen Regierung zu grosser Verunsicherung. Auch ist offen, wie sich das Verhältnis zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich nach Vollzug des Brexit Ende März 2019 gestalten wird.
Im Inland besteht das Risiko, dass schwelende Ungleichgewichte im Immobiliensektor zu einer starken Korrektur in diesem Sektor führen.
Detaillierte Informationen unter: www.seco.admin.ch/konjunkturtendenzen

Was zeigten uns die letzten Krisen auf?

1929; der „Black Friday“, Börsencrash, Weltwirtschaftskrise.

1973; Ölkrise, 1987 „Black Monday“, Börsencrash, -22,6% Kursrückgang an einem Tag.

2000; die „Dotcom-Blase“, Milliarden Kundengelder „verbrannt“.

2003; Einsturz des World Trade Centers, die Börse erreicht tiefste Stände seit 1993.

2008; die Pleite der Lehman Brothers, der grösste Garantiegeber der Erde.

2009; die Euro- Krise und die damit verbundenen Staatspleiten.

Januar 2016; China stoppt erstmals Aktien-handel.

Dabei waren wir, die Mitarbeitenden von betroffenen Firmen oft die Leidtragenden. Wir verloren den Arbeitsplatz, weil Unternehmungen umstrukturierten und dabei v.a. ältere Mitarbeitende entlassen haben und sie durch jüngere, günstigere ersetzten. Viele, die für das jeweilige Desaster verantwortlichen Manager, hielten ihre Schäfchen im Trockenen und kümmerten sich um neue Geschäfte. Die „Aufräumarbeiten“ blieben beim Staat und wurden somit von den Bürgerinnen und Bürgern getragen. Viele Härtefälle mussten und müssen von den Sozialeinrichtungen getragen werden.
Das bringt mich zur Erkenntnis, dass wir aus der Vergangenheit wenig dazulernen! Wie können wir uns gegen diese Verliererposition wehren? Aktuell sind wir zudem noch mit der vierten Digitalen Revolution konfrontiert. Das bedeutet, dass Fähigkeiten, welchen wir bis anhin vertrauten, in Zukunft weniger gefragt sind. Unter dem Motto „be a warrier, not a victim“ können wir etwas dagegen tun.
Natürlich können wir versuchen, eine angesprochene verantwortliche Managerposition zu erreichen, was nicht allen gegeben ist oder aber auch nicht für jede Frau oder jeden Mann erstrebenswert ist. Wir werden also immer weniger auf Erfahrungen bauen können. Als nächstes können wir uns fit machen mit diesen Situationen umzugehen.

VUCA

In den Personalabteilungen der grossen Unter-nehmen und in vielen Start-Ups wird dafür ein neuer Begriff verwendet: VUCA:
V: VOLATILITY, Volatilität, Flüchtigkeit. Wir leben in einer Welt, die sich ständig verändert, instabiler wird und in der Veränderungen unvor-hersehbarer werden – immer drastischer und schneller. Ereignisse verlaufen völlig unerwartet und das Verstehen von Ursache und Wirkung wird mitunter unmöglich.
U: UNCERTAINTY, Ungewissheit, Unsicherheit. Vorhersehbarkeit und Berechenbarkeit von Ereignissen nehmen rapide ab, Prognosen und Erfahrungen aus der Vergangenheit als Grundlage für die Gestaltung der Zukunft verlieren ihre Gültigkeit und Relevanz. Planung von Investitionen, Entwicklungen und Wachstum wird fast unmöglich. Immer weniger ist klar, wohin die Reise geht.
C: COMPLEXITY, Komplexität. Unsere Welt ist komplexer denn je. Was ist die Ursache? Was die Wirkung? – Probleme und deren Auswirkungen werden vielschichtiger und schwerer zu verstehen. Es vermischen sich die verschiedenen Ebenen und machen Zusammenhänge unübersichtlicher. Entscheidungen werden zu einem nicht mehr steuerbaren Geflecht aus Reaktion und Gegenreaktion. Die Entscheidung für den einen richtigen Weg ist kaum möglich.
A: AMBIGUITY, Mehrdeutigkeit. „One fits all“ und „best practice“ waren gestern – selten ist etwas ganz eindeutig oder ganz exakt bestimm-bar. Nicht nur schwarz und weiss, sondern auch bunt ist eine Option. Die Anforderungen an Or-ganisationen und Führung von heute sind widersprüchlicher und paradoxer denn je und stellen das persönliche Wertesystem komplett auf die Probe. Das „Was?“ tritt hinter dem „Warum?“ und dem „Wie?“ zurück. Entscheidungen fordern Mut, Bewusstheit und Fehlerfreudigkeit.
Fit für was? MacKinsey untersuchte in einer Studie, welche Fähigkeiten wir in Zukunft benötigen und kam zu folgendem Schluss:

Die Nachfrage nach körperlichen und manuellen Fähigkeiten sinkt.

Die Nachfrage nach sozialen und emotionalen Fähigkeiten steigt.

 
Fähigkeiten die wir Mitarbeitenden in Zukunft brauchen, sowie strukturelle Änderungen die Firmen in Zukunft umsetzen werden, um in der sich wandelnden Wirtschaftsrealität zu bestehen:

Eine Kultur des lebenslangen Lernens schaffen und Trainingsmöglichkeiten wahrnehmen.

Tätigkeiten werden Arbeitenden mit unter-schiedlichen Fähigkeiten neu zugewiesen, wodurch eine Reihe neuer Positionen im mittleren Management geschaffen wird, für die es neue Führungsfähigkeiten braucht.

Die boomende Gig-Wirtschaft wird zu einem Anstieg von unabhängigen Auftragnehmern und Freiberufler führen mit projektorientierten Anstellungsverhältnissen.

Persönlichkeiten in Seniorpositionen und Schlüsselfunktionen müssen sich anpassen, um die Unternehmensstrategien und schnelllebigen Kunden- und Marktbedürfnissen sowie die vorhandenen Talente zu orchestrieren.

Agilere Unternehmensstrukturen, weniger Hierarchie und mehr kollaborierende Team-Netzwerke.

Resümee:

Für die Zukunft gewappnet bin ich, wenn

ich meine Stärken und Schwächen kenne.

ich mich vor Neuem nicht scheue, sondern Neues als Herausforderung sehe.

ich stetig dazu lerne und das gelernte anwende.

ich mit Unsicherheiten übe umzugehen und damit eigene Stärken entwickle.

ich bereit bin, mich aus meiner Komfortzone zu begeben.

ich bereit bin Risiken abzuschätzen und einzugehen.

ich mich mit den Veränderungen auseinander-setze und die sich mir bietenden Optionen prüfe und ergreife.


Vieles deutet darauf hin, dass wir als Mitarbeitende in Zukunft stark in der Verantwortung stehen. Die Gesellschaft wird sich verändern. Es scheint, dies wird schleichend über die technologischen Möglichkeiten in der Geschäftswelt passieren. Medien- und Methodenkompetenz, Umgang mit Unsicherheiten und flexibler Einsatzwille werden nachgefragt. Wir tun gut daran, wenn wir uns darauf vorbereiten. Das beginnt sicher bei der Erziehung zur Selbständigkeit unserer Kinder und muss in der Schule und der Aus- und Weiterbildung weitergeführt werden!


Die folgende Tabelle zeigt die Veränderung von typischen Fähigkeitsgruppen, die in den vielfältigen Berufen gefragt waren, und die gefragt sein werden.

Thema: Digitaler Weg der WISS
Autor: Hansjörg Glauser
08.11.2018